Berufsportrait – Papiertechnologe

Berufsportrait: Papiertechnologe  

Das Berufsbild des Papiertechnologen wurde zuletzt 2005 reformiert. Veränderte prozess- und verfahrenstechnische Aufgabebereiche haben es aber erforderlich gemacht, die bisherige Berufsausbildung ein weiteres Mal neu zu ordnen. Zum 01. August 2010 tritt daher die neue Ausbildungsordnung in Kraft.

Die beiden bisherigen Fachrichtungen zum Papiertechnologen mit Fachrichtung Papier-Karton-Pappe oder mit Fachrichtung Zellstoff werden zusammengefasst und durch zwölf Wahlqualifikationseinheiten wie beispielsweise Veredelung, Altpapier, Zellstoff oder Hydraulik und Pneumatik ersetzt, aus denen der Azubi zwei auswählen muss.

Ebenfalls neu ist, dass die Abschlussprüfung künftig in zwei Teilen mit zeitlichem Abstand zueinander erfolgt.

Ein Papiertechnologe bedient und überwacht Anlagen und Maschinen, die unterschiedliche Papiere, Karton, Pappe, Zellstoff und Zellstoffprodukte herstellen. Die produzierten Materialien lagert er fachgerecht und bereitet sie für den Versand vor.

Die Ausbildung zum Papiertechnologen erfolgt nach dem Berufsbildungsgesetz und dauert drei Jahre. Dabei wird die Ausbildung in der Industrie angeboten und findet als duale Ausbildung mit flexibler Ausbildungsstruktur aufgrund der Wahlqualifikationseinheiten statt.

Hier nun der Papiertechnologe im ausführlichen Berufsportrait: 

Die Tätigkeiten im Einzelnen 

Der Papiertechnologe wirkt an der Herstellung von Papieren, Kartonagen sowie Zellstoffen und Zellstoffprodukten mit. Je nach Tätigkeitsbereich übernimmt der Papiertechnologe dabei unterschiedliche Aufgaben.

·         Papier, Pappe und Karton.

Um Papier, Pappe oder Karton herstellen zu können, wird Holz benötigt. Dieses entrindet der Papiertechnologe mithilfe von entsprechenden Maschinen und schleift es solange, bis sich die einzelnen Holzfasern voneinander trennen.

Unter Zugabe von Wasser und teils Chemikalien wird dann ein dickflüssiges Gemisch erstellt und gebleicht. In sogenannten Pulpern werden zeitgleich weitere Papierbestandteile wie Zellstoff oder Altpapier in Wasser aufgelöst, gemahlen und gereinigt. Im Anschluss daran pumpt der Papiertechnologe alle Komponenten in die Stoffaufbereitung, legt das Mischungsverhältnis der Rohstoffe fest, verdünnt die Mischung mit Wasser und fügt entsprechend der jeweiligen Rezeptur für das Produkt Hilfs- und Füllstoffe wie Leim, Farbe oder Kreide hinzu.

Anschließend überwacht der Papiertechnologe den weiteren Ablauf der Papierherstellung, angefangen bei der eigentlichen Entstehung des Produktes über die Entwässerung mit Walzen bis hin zur Trocknung.

Den Abschluss findet der Fertigungsprozess durch das Aufwickeln der Papierbahn auf einen Stahlkern, der als Tambour bezeichnet wird.

·         Zellstoff und Zellstoffprodukte.

Zellstoff ist ein Halbstoff, der aus Holz, Stroh oder Zuckerrohr gewonnen wird und das Ausgangsmaterial für beispielsweise Pappe, Zeitungspapier, Taschentücher oder Verbandsmaterialien ist. Bei der Herstellung von Zellstoff bereitet der Papiertechnologe die Rohmaterialien vor und überwacht den Kochvorgang in einer sauren oder alkalischen Lösung.

Dabei kontrolliert und steuert der Papiertechnologe die chemischen Vorgänge, indem er die entsprechenden Rezepturen umsetzt. Nach dem Kochvorgang erfolgt das Bleichen unter Zugabe von genau dosierten Bleich- und Zusatzstoffen wie beispielsweise Sauerstoff, Wasserstoffperoxyd oder Chlor.

Den fertigen und reinen Zellstoff lagert der Papiertechnologe dann in Bütten oder pumpt ihn für die Weiterverarbeitung zu der Papiermaschine.

·         Veredeln und Verpacken.

Je nach Produkt und Einsatzbereich müssen die Papiererzeugnisse veredelt werden, indem beispielsweise Farben aus Pigmenten und Bindemitteln aufgetragen werden. Muss das Papier besonders gute Druckeigenschaften aufweisen und soll es mit einem Glanz versehen werden, begleitet der Papiertechnologe den Vorgang, indem das Papier den sogenannten Satinierkalander durchläuft, eine Spezialmaschine, bei der das gestrichene Papier unter Druck mehrere beheizte Walzen durchläuft.

Bei der Vorbereitung für den Versand arbeitet der Papiertechnologe mit Anlagen, die das Papier oder den Zellstoff auf die gewünschte Breite oder zu Bögen zerschneiden und auf Rollen aufspulen. Zellstoffflocken werden zu Blöcken oder zu Ballen gepresst.

Danach verpackt der Papiertechnologe die Produkte, versieht sie mit Artikelnummern, stellt versandfertige Einheiten zusammen und transportiert sie mit entsprechenden Fahrzeugen zu ihrem Lagerort.

In den Aufgabenbereich des Papiertechnologen fällt darüber hinaus die Dokumentation von Produktionsmengen sowie das Ausstellen der Versandpapiere.

·         Wartung, Instandhaltung und Umweltschutz.

Zu den Hauptaufgaben des Papiertechnologen gehören das Bedienen und Überwachen von automatisierten und computergesteuerten Anlagen und Maschinen. Dies erledigt der Papiertechnologe von Leitständen und Schaltwarten aus.

Außerdem gehört die Wartung, die Instandsetzung sowie die Durchführung kleinerer Reparaturen zu seinen Aufgaben. Im Rahmen der Qualitätsprüfung, die während des gesamten Herstellungsprozesses stattfindet, führt er chemische oder physikalische Prüfungen durch, liest Mess- und Kontrollanzeigen ab und wertet diese aus.

Teils sind dabei schnelle Reaktionen gefragt, um die Quote an Fehlproduktionen möglichst gering zu halten. Zum Schutz vor Gesundheitsbeeinträchtigungen durch den Umgang mit Chemikalien und teils lauten Maschinen trägt der Papiertechnologe entsprechende Schutzkleidung und berücksichtigt bei seiner Arbeit außerdem die Richtlinien des Umweltschutzes. 

Die Arbeitsplätze

Arbeitsplätze findet der Papiertechnologe in erster Linie in herstellenden und verarbeitenden Betrieben der Papier- und Zellstoffindustrie, beispielsweise in Zellstoffwerken oder in Papier-, Karton-, Pappe- oder Tapetenfabriken.

Weitere Beschäftigungsmöglichkeiten bieten Zulieferfirmen, die beispielsweise Maschinen für die Erzeugung oder Verarbeitung von Papier herstellen.

Außerdem kann der Papiertechnologe in Chemieunternehmen oder in der Abfallwirtschaft und hier vor allem in Recyclinganlagen arbeiten. Üblicherweise ist er dabei im Schichtbetrieb tätig.

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