Die Geschichte der Briefmarke – ein Überblick

Die Geschichte der Briefmarke – ein Überblick

Für uns ist es heute völlig selbstverständlich, einen Brief zu frankieren und in dem Wissen abzuschicken, dass er innerhalb weniger Tage beim Empfänger ankommt. Ebenso ist es für uns normal, dass der Briefträger jeden Tag seine Runde fährt und die Post in den Briefkasten schmeißt. Doch das war nicht immer so.

Zwar haben die Menschen schon recht früh damit begonnen, sich Briefe und Nachrichten zu schreiben. Doch die Post war oft wochenlang unterwegs und mitunter kam der Bote erst gar nicht an seinem Ziel an. Auch ein einheitliches Porto gab es nicht und so konnte der Versand sehr teuer sein.

Erst der Aufbau eines staatlichen Postwesens und die Einführung der Briefmarke sorgten für ein verbindliches System bei der Briefzustellung. Inzwischen scheint die gute alte Briefmarke aber zunehmend zu einem Objekt für Sammler zu werden, während moderne Varianten des Postwertzeichens auf dem Vormarsch sind. Aber wie hat sich das Postwesen überhaupt entwickelt?

Die Geschichte der Briefmarke und der Post – hierzu dazu ein Überblick:

Das erste Postwesen im alten Rom

Der Austausch von Nachrichten und Botschaften wurde schon seit jeher praktiziert. Ursprünglich wurden jedoch Boten beauftragt, die die Inhalte mündlich übermittelten. Erst mit der Erfindung der Schrift vor etwa 5.000 Jahren entstand der Brief und erst der Brief schuf die Grundlage für das Postwesen. Ein erstes geregeltes System entwickelte sich im römischen Reich. Der römische Postverkehr wurde vom römischen Straßenverkehrswesen, dem cursus publicus, organisiert und umfasste zum einen die posita statio und zum anderen die mansio posita.

Die posita statio waren Poststationen, die jeweils eine Tagesreise weit auseinander lagen und den Kurieren die Möglichkeit boten, ihre Pferde zu wechseln. Die masio posita waren Poststationen in größeren Orten und Städten. Hier konnten die Kuriere übernachten und erhielten Verpflegung. Die lateinischen Bezeichnungen standen Pate für den bis heute verwendeten Namen Post.

Die Idee des römischen Postwesens war dabei so einfach wie genial:

Das römische Straßennetz umfasste rund 300.000 Kilometer. Wenn ein Bote nun zu Fuß oder mit dem Pferd eine bestimmte Strecke zurückgelegt hatte, musste er sich ausruhen. Während der Ruhepausen reiste die Post aber ebenfalls nicht weiter und so dauerte die Zustellung länger. Die Poststationen schufen in diesem Zusammenhang Abhilfe.

An den Stationen standen nämlich Kuriere bereit, die die Sendungen übernahmen und weitertransportierten, während sich der eben angekommene Bote ausruhen konnte. Die Beförderung konnte dadurch ohne Unterbrechungen fortgesetzt werden. Zusammen mit dem römischen Reich ging jedoch auch das römische Postwesen unter.

Das Postwesen der Mönche, Ritter, Gilden und Zünfte

Die Zeit zwischen dem 6. und dem 8. Jahrhundert war schwierig und unruhig. Ganze Völker gingen auf Wanderschaft, verdrängten die antiken Hochkulturen und eroberten fremde Landstriche. Die Menschen lebten in einfachsten Verhältnissen, die wenigsten von ihnen konnten lesen und schreiben. In dieser Zeit wurden die Klöster zu bedeutsamen Orten, denn sie bewahrten das Wissen um Wissenschaften und Künste, forschten weiter und arbeiteten damit.

Dadurch wurden die gebildeten Mönche und Nonnen zu wichtigen Ansprechpartnern für weltliche Herrscher. Gleichzeitig bauten die inzwischen wohlhabenden und einflussreichen Klöster ein Informationsnetz auf, als Postboten fungierten in erster Linie Wandermönche. Später richteten auch die Ritterorden ihre eigenen Kurierdienste ein. Bis ins Mittelalter hinein blieben die verschiedenen Postwesen aber meist regional ausgerichtet.

Zudem waren die Boten nicht immer sehr zuverlässig, dafür aber sehr teuer. Deshalb konnte letztlich nur die wohlhabende Oberschicht postalische Dienste in Anspruch nehmen. Dies sollte sich erst ändern, als die Kaufmanngilden und die Handwerkszünfte an Bedeutung gewannen.

Wirtschaftlich erstarkt, riefen sie vor allem aus geschäftlichen Interessen heraus ein Postwesen ins Leben, das den Austausch von Informationen auch über die Stadtgrenzen hinaus ermöglichte.

Das Postsystem der Metzger und die Reichspost

Es sollte sich herausstellen, dass es einen ordentlichen Nebenverdienst einbrachte, wenn die Zünfte ihre Gesellen, die ohnehin unterwegs waren, mit der Beförderung von Briefen beauftragten. Also gaben die Zünfte ihre anstehenden Reisewege frühzeitig bekannt und wer wollte, konnte seine Post gegen eine entsprechende Gebühr mitnehmen lassen. Eine besondere Rolle in diesem Zusammenhang spielten die Metzger.

Sie unternahmen mit ihren Wagen viele und lange Reisen, um Vieh zu kaufen. Da sie dadurch an die unterschiedlichsten Orte kamen, erwiesen sie sich als sehr besonders gut geeignete Postboten. Bei der Schlachtung des Viehs blieben die Hörner übrig. Die Metzger nahmen diese Hörner und schnitzten daraus Blasinstrumente. Wenn sie dann in einem Dorf eintrafen, bliesen sie in das Horn und so wusste jeder Dorfbewohner, dass der Metzger samt Post da war.

Dies sollte zum Markenzeichen der Post werden und das Posthorn ist bis heute erhalten geblieben.

Mitte des 15. Jahrhunderts beauftragte Kaiser Friedrich III. einen jungen Adligen aus Italien damit, eine schnelle und sichere Möglichkeit für die Übermittlung von Nachrichten zu etablieren. Diese war notwendig, denn der Kaiser hielt sich an seinem Hof in Innsbruck auf, während sein Militär in Italien stationiert war.

Der junge Roger della Torre e Tassis (zu Deutsch Thurn und Taxis) löste seine Aufgabe mit Bravour und wurde schon bald zum Oberpostmeister auserkoren. In den nachfolgenden Generationen sollte sich die Zusammenarbeit zwischen dem kaiserlichen Hof und der italienischen Adelsfamilie immer weiter festigen. Die Familie der Thurn und Taxis baute so nach dem Vorbild des römischen Postwesens ein Beförderungssystem auf, das ganz Europa mit einbezog.

Ihr Postwesen war schnell und garantierte die Einhaltung des Briefgeheimnisses, was das System überaus erfolgreich werden ließ. Allerdings ließ die Zahlungsmoral der europäischen Kaiser- und Königshäuser mitunter zu wünschen übrig. Um das kostspielige Postwesen wirtschaftlich betreiben zu können, fiel 1506 die Entscheidung, künftig neben amtlicher Post auch die Briefe von Privatpersonen zu befördern. Damit war der Durchbruch als Reichspost endgültig geschafft.

Die Verstaatlichung des Postwesens

Das Postwesen erwies sich als sehr einträgliches Geschäft. Gleichzeitig war das Deutsche Reich ein Sammelsurium aus Fürsten- und Herzogtümern sowie freien Städten. Sie alle wollten am Geschäft mit der Post mitverdienen und gründeten so ihre eigenen Stadt- und Landesposten. Kaiser Rudolf II. erklärte die Reichspost 1597 zwar zum kaiserlichen Privileg und hob sie damit in eine Monopolstellung.

Die wenigsten Regenten erkannten dies jedoch an. In der Folge mussten in jedem Land, das auf der Postroute befahren wurde, eigene Gebühren bezahlt werden. Erst als Bismarck 1871 ein einheitliches Deutsches Reich gründete und in diesem Zuge das Postwesen verstaatlichte, entstand ein flächendeckend einheitliches Postwesen. Über 100 Jahre lang sollte die Post dann auch staatlich bleiben.

Die Erfindung der Briefmarke

Noch im 19. Jahrhundert konnte der Absender entscheiden, wer die Zustellgebühr bezahlen sollte. Gab der Absender einen Brief auf und übernahm dabei das Beförderungsentgelt, wurde der Brief franco verschickt. Sollte hingegen der Empfänger die Gebühr bezahlen, erfolgte der Versand porto. Wenn der Empfänger sich weigerte, den Brief entgegenzunehmen und das Entgelt zu bezahlen, wurde der Brief zum Absender zurückgebracht.

Dies kam auch gar nicht so selten vor, denn seinerzeit berechnete sich die Höhe der Kosten nach der Anzahl der Papierbögen, aus denen der Brief bestand, und aus der Entfernung. Dadurch konnte die Beförderungsgebühr schnell sehr teuer werden, zumal es noch keine genauen Karten gab und die Entfernung eigens bemessen und dabei mehr oder weniger geschätzt wurde. Es hatte zwar Versuche gegeben, eine einheitliche Portogebühr einzuführen.

Der Durchbruch gelang aber erst, als Sir Rowland Hill den Vorschlag einer Briefmarke machte. Der englische Pädagoge hatte eine Studie durchgeführt und aus diesen Erkenntnissen heraus die Idee entwickelt, eine einheitliche Gebühr einzuführen. Diese Gebühr sollte im gesamten Land gelten und sich nach dem Gewicht eines Briefs bemessen.

Außerdem sollte künftig der Absender derjenige sein, der das Entgelt zu bezahlen hatte. Dadurch sollte verhindert werden, dass der Empfänger die Briefannahme verweigern konnte. Der Vorschlag stieß auf großen Zuspruch und wurde 1839 vom britischen Parlament genehmigt. Im Mai 1840 kam mit der One Penny Black die erste Briefmarke der Welt auf den Markt.

Der Siegeszug der Briefmarke

Das einfache Ermitteln des Entgelts und die bequeme Möglichkeit, die Beförderungsgebühren zu kassieren, weckten auch das Interesse anderer Länder an der Briefmarke. Es dauerte nicht lange, bis sich die Idee auf der ganzen Welt verbreitete und immer mehr Staaten damit begannen, ihre eigenen Postwertzeichen einzuführen.

Sehr schnell wurde die Briefmarke außerdem zu einem beliebten Sammerobjekt. Schon 1852 eröffnete im belgischen Brüssel das weltweit erste Briefmarkengeschäft. Dabei bestimmte die Auflage von Anfang an den Sammlerwert einer Briefmarke. Je seltener ein Postwerkzeichen war, desto wertvoller war und ist es für Sammler.

Anfangs waren es jedoch vor allem Kinder, die Gefallen an den kleinen, bunten Bildern fanden. Erst später entdeckten auch Erwachsene das Briefmarkensammeln als Hobby.

 

Die Briefmarke heute

 

1995 wurden die deutsche Post privatisiert und das Postministerium abgeschafft. Briefmarken sind aber nach wie vor ein Hoheitszeichen des Staates, für die Herausgabe ist mittlerweile das Finanzministerium zuständig.

Doch allmählich scheint die klassische Briefmarke an Bedeutung zu verlieren. Stempel und Aufkleber mit Barcodes ersetzen zunehmend die bunten Papierbildchen. Im Zeitalter des Internets muss nicht einmal mehr eine Postfiliale aufgesucht werden, stattdessen kann sich jeder die Postwertzeichen für seine Briefsendungen selbst ausdrucken. Insofern ist es gar nicht so unwahrscheinlich, dass traditionelle Briefmarken bald kaum noch auf Briefen, sondern vor allem in Sammelalben zu finden sein werden.

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