Papier: Vom Luxusprodukt zum Massenartikel

Papier: Vom Luxusprodukt zum Massenartikel

Das Papier gehört zu den Erfindungen, die die Geschichte des Menschen ganz entscheidend geprägt haben. In einer modernen und demokratischen Gesellschaft ist es fast selbstverständlich, dass Menschen lesen und schreiben können, dass für jedermann erschwingliche Bücher zur Verfügung stehen, dass jeder Zeitungen und Zeitschriften zur Information und zur Unterhaltung nutzen kann oder dass Briefe geschrieben werden, um Nachrichten zu übermitteln und Anliegen zu erledigen.

Ohne Papier, das als kostengünstiges Massenprodukt in riesigen Mengen vorhanden ist, wäre das so nicht möglich.

Die Anfänge des Papiers

Bevor Papier erfunden wurde und sich als Schreibgrund durchsetzte, wurde in Europa hauptsächlich auf Pergament geschrieben. Pergament wurde aus Tierhäuten hergestellt. Sie wurden enthaart, aufgespannt und geschliffen, bis eine beschreibbare Unterlage entstand. Wurde beschriftetes Pergament vorsichtig mit Bimsstein abgeschliffen, wurde die Schrift abgehoben und das Pergament konnte erneut verwendet werden.

Doch obwohl Pergament mehrere Male wiederverwendet werden konnte, war es sehr kostbar und teurer. Deshalb wurden fast nur religiöse Texte auf Pergament niedergeschrieben. Sehr viel kostengünstiger als ein Schreibgrund, der in einem aufwändigen Verfahren aus teuren Tierhäuten hergestellt wurde, war ein Schreibgrund aus Pflanzenfasern. In China war die Kunst der Papierherstellung aus Hanf schon im 2. Jahrhundert vor Christus bekannt.

Später entwickelten die Chinesen ein Verfahren, das es ihnen ermöglichte, Papier auch aus Bambusfasern herzustellen. Außerdem fügten sie ihren Rezepturen Stärke hinzu. Durch die Stärke, die als Klebstoff diente, konnten sie verschiedene Papiere und darunter auch sehr feine Sorten herstellen. In China verbreitete sich Papier schnell, denn die Nachfrage aus dem Bereich der Verwaltung war groß und auch in der Kunst fand das Papier großen Zuspruch.

Allerdings blieb das Wissen um die Papierherstellung lange Zeit ein gut behütetes Geheimnis. Erst im 7. Jahrhundert gelangte das Wissen von China aus zunächst nach Korea und Japan.

Papier in Europa

Nach Europa brachten die Araber das Wissen um die Papierherstellung mit, nachdem sich ihr Reich im 8. Jahrhundert bis nach Spanien ausgeweitet hatte. Anfangs importierten die Araber Papier nach Europa, ab dem 12. Jahrhundert begannen sie damit, selbst Papier in Spanien herzustellen. Im Laufe der Zeit verbreitete sich das Wissen um die Kunst der Papierherstellung zunächst nach Italien und von dort aus nach und nach über ganz Europa.

In Deutschland wurde die erste Papiermühle 1390 in Nürnberg eingerichtet. Anders als in Asien waren in Europa die Rohstoffe, die verfügbar waren und für die Papierherstellung eingesetzt werden konnten, aber begrenzt. Europäisches Papier wurde bis ins 19. Jahrhundert hinein in erster Linie aus Leinen-, Hanf- und Flachsfasern hergestellt. Die wertvollen Rohstoffe wurden allerdings zuerst zu Kleidung und Textilien verarbeitet und danach dann bei der Papierherstellung wiederverwertet. Insofern war das Papier in Europa ein Recyclingpapier.

Im Mittelalter beherrschten fast nur Mönche und Priester das Lesen und das Schreiben. Nicht nur die einfachen Leute, sondern auch viele Könige und Adelige konnten weder lesen noch schreiben. Das umfangreiche Wissen der Antike und neuere Erkenntnisse wurden deshalb in Klöstern niedergeschrieben, von Hand vervielfältigt und mit kunstvollen, teils sehr aufwändigen Illustrationen verziert.

Solche handschriftlichen Aufzeichnungen waren aber nicht nur inhaltlich sehr wertvoll, sondern auch äußerst teuer. Eine Wende leiteten die Erfindungen des Buchdrucks mit beweglichen Lettern um 1445 und des Kupferstichs etwa ein Jahr später ein. Nun war es möglich, schneller und kostengünstiger Schriften in größeren Stückzahlen anzufertigen. Damit stieg auch die Nachfrage nach Papier und die Anzahl der Papiermühlen in Deutschland erhöhte sich bis zum Jahre 1600 von 60 auf rund 200.

Papier: Vom Luxusprodukt zum Massenartikel

Bis ins 19. Jahrhundert hinein wurde Papier größtenteils für Bücher und als Schreibmaterial verwendet. Um 1800 betrug der Jahresverbrauch pro Kopf gerade einmal ein halbes Kilogramm Papier. Ein Grund hierfür war, dass Lumpen als Rohstoff zunehmend knapper wurden und eine größere Produktionsmenge an Papier deshalb gar nicht möglich gewesen wäre.

Dies änderte sich im Zuge der Industriellen Revolution. Gottlob Keller erfand 1843 nämlich ein Verfahren, durch das es möglich wurde, Papier aus den Fasern von Nadelhölzern herzustellen. Damit war der Grundstein für Papier als kostengünstiges Massenprodukt gelegt. Gleichzeitig ließ der steigende Bildungsgrad in der Bevölkerung auch den Papierverbrauch spürbar ansteigen. Bücher wurden erschwinglich und machten Wissen für jeden zugänglich. Zeitungen und Zeitschriften kamen in Mode, Kinder benutzten Schulhefte und Behörden, Unternehmen und auch Privatpersonen verwendeten Briefpapier für ihre Schreiben.

Später kamen noch Verpackungsmaterialien und Hygienepapiere wie Toilettenpapier, Papiertaschentücher oder Küchenrolle dazu, die den Papierverbrauch ebenfalls erhöhten. In den 1970er-Jahren wurden weltweit rund 8,7 Millionen Tonnen Papier pro Jahr verbraucht. Heute liegt der Jahrespapierverbrauch allein in Deutschland bei über 40 Millionen Tonnen, wobei neu produziertes Papier und Altpapier jeweils etwa die Hälfte ausmachen.

Ein deutsches Schulkind verbraucht in seinen ersten Lebensjahren oft mehr Papier als eine Person in der Dritten Welt im Laufe ihres gesamten Lebens. Draus wird ersichtlich, wie sehr sich der weltweite Papierbedarf noch erhöhen wird, wenn sich die Schwellen- und Entwicklungsländer den modernen Industrienationen wirtschaftlich und gesellschaftlich allmählich angenähert haben werden.

Papier und die Umwelt

Obwohl Altpapier in großen Mengen eingesammelt und wiederverwertet wird, ist es nicht möglich, die gesamte Papierproduktion durch Recycling sicherzustellen. Ein Grund hierfür ist, dass sich die Fasern bei jedem Wiederverwertungszyklus verkürzen. Vor allem bei hochwertigen Papiersorten muss deshalb ein großer Anteil an Zellstoff hinzugefügt werden.

Zellstoff wird aus Holz gewonnen und für eine Tonne Zellstoff sind bis zu 2,5 Tonnen Holz notwendig. Das Holz für die deutsche Papierproduktion liefern größtenteils skandinavische Nadelholzwälder, weltweit wird Papier aus Hölzern aus allen Teilen der Welt verarbeitet. Nicht immer wird bei der Rodung der Wälder aber zimperlich vorgegangen, denn Überlegungen, die den Umweltschutz und die Nachhaltigkeit betreffen, stehen oft wirtschaftliche Aspekte und Gewinnaussichten gegenüber.

Aus ökologischer Sicht scheint eine Senkung des Papierverbrauchs derzeit die einzige Lösung. Ideen wie beispielsweise das sogenannte papierlose Büro konnten sich im Alltag nicht durchsetzen und Alternativen wie das E-Book, wieder beschreibbares E-Paper oder ausschließlich Online-Ausgaben von Zeitungen werden noch Jahre bis zu ihrem endgültigen Durchbruch brauchen.

Um die Umwelt zu schonen, sollte deshalb jeder Papier bewusst verwenden, seinen Verbrauch zu reduzieren versuchen und verbrauchtes Papier immer in die Altpapiersammlung geben.

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