Was ist eigentlich Wellpappe?

Was ist eigentlich Wellpappe?

Fast jeder hat sie ständig in der Hand, mal als Karton, mal als Pappschachtel, mal als Verpackungsmaterial und mal als Bastelmaterial. Die Rede ist von Wellpappe.

Wenn die gesamte Menge an Wellpappe, die in Deutschland innerhalb von einem Jahr produziert wird, zu einer Fläche ausgelegt werden würde, dann wäre diese Fläche gut sieben Mal so groß wie Berlin.

Was die Wellpappeproduktion angeht, ist Deutschland im europaweiten Vergleich einsame Spitze.

Aber was ist eigentlich Wellpappe?:

Das Prinzip hinter der Wellpappe

In der einfachsten Ausführung setzt sich Wellpappe aus drei Kartonschichten zusammen. Die beiden äußeren Lagen bestehen aus Karton, der glatt und flach aufliegt. In der Mitte befindet sich ein dünner Karton, der in Wellen gelegt ist. Leim fixiert zum einen die gewellte Form der Mittelschicht und verbindet zum anderen die drei Kartonschichten miteinander.

Dabei nutzt Wellpappe das physikalische Prinzip des Rundbogens. Dieses Prinzip bewirkt, dass die Wellen den Druck, der auf die fertige Pappe einwirkt, abfangen und gleichmäßig verteilt auf die beiden äußeren Kartonlagen weitergeben. Dadurch ist ein Karton aus Wellpappe deutlich stabiler und kann wesentlich mehr Druck aushalten als ein Karton, der aus drei flach aufeinander geklebten Kartonschichten besteht. Das Prinzip des Rundbogens wurde aber nicht erst erfunden, als die erste Wellpappe entstand. Dass sich die Stabilität erhöhen lässt, wenn der Druck gleichmäßig verteilt wird, ist ein Phänomen, das in der Natur an vielen Stellen vorkommt.

Ein Beispiel hierfür sind Eier. Die Schale von einem Ei ist recht dünn, hält aber trotzdem sehr großem Druck stand. Dies liegt an ihrer gewölbten Form. Durch die Wölbung oder Rundung wird das Gewicht, das auf das Ei drückt, auf das ganze Ei verteilt.

Hätte die Eierschale eine flache, gerade Form, würde sich der Druck auf einem Punkt konzentrieren und die Eierschale würde unter dem Gewicht der legenden oder brütenden Henne zerbrechen. Auch die Architektur nutzt schon sehr lange das Prinzip des Rundbogens, unter anderem beim Bau von Gewölbekellern, Brücken oder Kirchen.

Die Erfindung der Wellpappe

Die Geburtsstunde der Wellpappe schlug im Jahre 1871. Damals war der US-Amerikaner Albert L. Jones an einer Plissiermaschine zugange. Mit dieser Maschine arbeitete er wellenförmige Falten in Stoffe ein, die dann beispielsweise für Rüschen und Halskrausen verwendet wurden.

Eines Tages wagte Jones den Versuch, die Maschine nicht mit Stoff, sondern mit einem dünnen Pappkarton zu bestücken. Dabei kam eine gewellte Pappe heraus, die sich durch ihre Dämmwirkung als hervorragend geeignetes Verpackungsmaterial für empfindliche Waren erwies.

Der US-Amerikaner Robert H. Thompson griff die Idee des gewellten Kartons auf und entwickelte sie weiter. So beklebte er den gewellten Karton auf beiden Seiten mit einer weiteren, flachen Kartonschicht. 1882 meldete Thompson seine doppelseitige Wellpappe zum Patent an und damit war die Wellpappe, wie wir sie heute kennen, erfunden.

Die praktische, stabile und kostengünstige Wellpappe entwickelte sich schnell zum Erfolgsprodukt. Mit dem starken Wachstum der industriellen Produktion und dem großen Anstieg des Warenverkehrs erhöhte sich auch die Nachfrage nach Wellpappe als Verpackungsmaterial. So wurden im Laufe der Zeit immer bessere Maschinen entwickelt, die in immer kürzerer Zeit immer größere Mengen an Wellpappe herstellen konnten.

Moderne Maschinen von heute sind in der Lage, eine 400 Meter lange und 2,5 Meter breite Bahn und damit 1.000 Quadratmeter Wellpappe pro Minute zu produzieren.

Die Verwendung von Wellpappe

Wellpappe wird in erster Linie als Verpackungsmaterial und hier vor allem für Transportverpackungen verwendet. Durch die Stabilität ist es problemlos möglich, mehrere Kartons aufeinander zu stapeln, ohne dass die Kartons zerdrückt werden. Je nach Verwendungszweck, geforderter Stabilität und benötigter Tragkraft wird Wellpappe aus bis zu sieben dünnen Kartonschichten angefertigt.

Die Tragkraft ergibt sich dann zum einen durch die Form der Wellen und zum anderen durch die Konstruktion aus Flächen und Hohlräumen, die durch das Verkleben von gewellten und glatten Kartonlagen entsteht. Neben der Stabilität und Tragkraft sorgt die Konstruktion außerdem für eine Art dämmendes Polster, das die verpackten Waren beim Transport schützt. Durch verschiedene Zusätze und Imprägnierungen wiederum wird es möglich, die Wellpappe unempfindlich gegenüber Feuchtigkeit, Säuren, Feuer und Insekten auszurüsten.

In Sachen Umweltbilanz ist Wellpappe ganz weit vorne. In Deutschland besteht Wellpappe zu rund 80 Prozent aus Altpapier. Für den Rest werden frische Zellstofffasern verwendet, die aus Rest- und Abfallhölzern gewonnen werden. Das Altpapier und das Holz durchlaufen den Schredder und werden anschließend in Wasser zu einem Brei aufgeweicht.

Je nach Verwendungszweck kommen dann noch Leim- und Füllstoffe dazu. Manchmal werden auch Farbstoffe beigemischt, beispielsweise bei bunter Wellpappe als Bastelmaterial. Fast die gesamte Wellpappe wird wiederverwertet. Dazu werden die Klebstoffe und enthaltenen Chemikalien entfernt. Anschließend wird aus der Wellpappe in Papierfabriken erneut Altpapier und auch Rohpapier für die Wellpappenproduktion selbst hergestellt.

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Veröffentlicht von

Carmen Dutzke & Heinrich Bartels

Hier schreiben Carmen Dutzke, 38 Jahre, Geschäftsinhaberin von einem Druck-, Copy- und Bastelzubehör Shops, sowie Heinrich Bartels, 44 Jahre und Rechtsberater. Neben Anleitungen und Informationen zu sämtlichen Arbeiten mit Papier, geben wir Basteltipps und Vorlagen für Briefe zu Behörden, Verträgen und was noch so im Schriftverkehr anfällt.

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